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Amar-Peters-Weigle
Seraphin

 

Neben der Neuorientierung im Akkord-Spiel, bedarf es der räumlich angelegten Spielweise im "Detaché", was ein hochentwickeltes Legato-Spiel voraussetzt und das Hervorbringen optimal vieler Obertöne bei der Klangproduktion. Dies alles heißt auch, die Geige von ihrer herkömmlichen, sie künstlerisch einengenden "Nur-Virtuosität" zu befreien. Wir alle wissen, dass sogenannte Hexenkünste – schnelles Laufwerk, Flageoletts, Akkordketten, Pizzikati, Stakkati etc., wenn auch mit immenser Arbeit verbunden, zuweilen leichter erlernbar sind, als die Kriterien guten klassischen Instrumentalspiels in den Griff zu bekommen. Im ersteren Fall gibt es es ziemlich eindeutige Merkmale des Gelingens, im anderen jedoch ist der Punkt der Vollendung, zumal auch die rein geistige Zielsetzung eine wesentliche Rolle spielt, selten zu erreichen.
Vor allem bleibt grundsätzlich zu klären, dass Metronomzahlen nur Hilfsmittel, nicht aber eindeutige künstlerische Maßstäbe setzen können, wie auch Satzbezeichnungen unter historischer Bezugnahme mehr von ihrem gedanklichen Inhalt her definiert werden sollten.
Eines sei mit Entschiedenheit festgestellt:
Geschwindigkeit kann die innere Spannung einer Tonfolge nicht ersetzen. Mit sehr schnellem Spiel geht oft eine Leichtfüßigkeit einher, die zwar berauschend wirken kann, jedoch den musikalischen Sinn ebenso oft verzerrt. So sind einer Interpretationsweise mit starker musikalischer Binnenspannung und dem künstlerischen Ausloten des Intervalls in seiner vielfältigen Erscheinungsform vom metronomischen Zeitmaß und der Ansprache des Instrumentes her natürliche Grenzen gesetzt. Soll der einzelne Ton durch die "Linke Hand" und vom Bogenarm ausgeformt werden - hier durch optimales Kontaktstellen-Spiel -, so entlarvt sich zu schnelles Spiel oft als Kompromiss; ganz zu schweigen von einer allzu großen Bereitschaft, Originalphrasierungen zugunsten rein "geigerischer" Lösungen auf Kosten weit gespannter musikalischer Linien zu diminuieren. Auch das dadurch gewonnene schnellere Tempo ist kein Ersatz für den Verlust an musikalischer Substanz.




     
 
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