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Albrecht Goebel:
In Konzerten haben Sie Werke von Tartini, Beethoven, Schumann, Brahms, Franck, Glasunow, Reger, Busoni, Ysaye oder Hindemith interpretiert. Nahm die Musik Bachs gleichwohl eine Vorzugsstellung ein, seit wann beschäftigen Sie sich mit den sechs Solosonaten?


Alois Kottmann:
Mein Verhältnis zur Geigenmusik von Bach ist ambivalent und keineswegs so ungetrübt, wie es scheinen mag. Schon als Schüler lernte ich einige Solosonaten kennen. Ich fand sie - gemessen gerade an den bedeutenden Violinwerken Mendelssohns, Schumanns oder Bruchs - zu wenig klangsinnlich, zu spröde. Hinzu kam folgendes: Die mir verfügbaren Schallplatten- und Rundfunkaufnahmen ließen bei mir manche Wünsche offen. So ließ die ausgeprägte Doppelgriffigkeit von Bachs Solosonaten das Violinspiel mancher Interpreten scharf, gar "kratzend" klingen. Als störend empfand ich auch das harte Anreißen der Saiten, das gerade bei der Aufführung drei- und vierstimmiger Akkorde die Regel war und die Klangqualität nachhaltig beeinträchtigte. Der unvergleichliche Klangzauber, der gerade von einer Violine ausgehen kann, fehlte den meisten dieser Bach-Interpretationen. Andererseits fesselte mich die künstlerische Kraft von Bachs Musik , faszinierte mich ihre innere Dichte. Diese Spannung, also der Gegensatz von künstlerischer Größe der Musik und einer fast ruppigen Interpretation, beschäftigte mich nachhaltig und wurde zu einem wichtigen kritischen Impuls bei meinem eigenen Bemühen um die Solosonaten.


     
 
www.alois-kottmann.de
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