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Was ist ein Musiker, ein Geiger, abgesehen davon, ob er Gottes oder des Teufels ist? Natürlich ist er ein Handwerker, ein redlicher Könner, ein womöglich lebenslang Lernender, sich Vollendender, in Fertigkeiten, die Handwerk und auch schon Kunst genannt werden können. Vielleicht wird er damit zum Meister, vielleicht ist er von früh an schon einer gewesen, denn Meister fallen auch vom Himmel; Meisterschaft heißt: einer Sache sicher sein, sich nicht am Unpassenden abzuqälen. Wo das Metier insgesamt leichtfällt, bleibt Raum für ein produktives Sich-Abarbeiten an Einzelproblemen. Denn es ist unumgänglich, dass im Künstlerberuf ein Ansporn enthalten bleibt. Künstlerschaft kommt niemals ganz ans Ziel, sie fährt ihre volle Ernte nicht ein ohne das Gefühl, noch mehr, noch Besseres, ernten zu können. Der Rückblick auf das Erreichte, Gelungene, schafft zugleich den Wunsch - oder ist es gar ein elementarer Trieb? - es zu überschreiten.
Freilich, es geht nicht immer nur vorwärts. Konzertierende Tätigkeit etwa ist auch abhängig von der Tagesform, von äußeren Einflüssen, Aufführungsorten, Publikumsstimmungen. Geiger, Pianisten, Dirigenten sind allemal an ihre Physis gebunden; irgendwann mag für sie die Zeit kommen, da sie ihr Wissen, ihre Erfahrung, durch den körperlichen Einsatz nicht mehr recht zu vermitteln vermögen. Tragisch ist das, wenn sie es dann so gut wie nie zuvor "wissen" nicht aber mehr "können". Der Teufel Vergänglichkeit sitzt uns im Fleisch, die wir doch eine Ahnung von Unvergänglichkeit haben und das feste Bedürfnis, uns über den Augenblick hinaus zu verewigen.




     
 
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