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Politisches Engagement

Albrecht Goebel:
Wer Sie kennt, der weiß, dass Sie mit großer Hartnäckigkeit Ihre Ziele verfolgen. Ein Mittel, Ihren Zielen näher zu kommen, ist auch die politische Arbeit. In den vielen Jahren, in denen Sie in Frankfurt wirken, haben Sie Kontakt aufgenommen zu Stadträten, die für kulturelle Einrichtungen verantwortlich waren, und zu anderen, politisch einflussreichen Leuten, um Geld und - was für Sie genauso wichtig ist - überhaupt Aufmerksamkeit für Ihre musikalischen Anliegen zu erlangen. Könnten Sie abschließend Ihr Verhältnis zur Kulturpolitik umreißen?


Alois Kottmann:
Wie ich bei der zentralen Diskussionsveranstaltung der letzten Hofheimer Musiktage im Juni 1993 deutlich hervorgehoben habe, halte ich es für falsch und vollkommen unbegründet, wenn Leute der Kultur, also Musiker, Maler, Autoren und andere sich in die Rolle von Bittstellern abdrängen lassen. Die Künstler dürfen auf keinen Fall folgendes vergessen: Kulturpolitiker verwalten Steuergelder, und sie haben die Aufgabe und die Verpflichtung, die Steuermittel so zu verwenden, dass die kulturellen Bedürfnisse der Bevölkerung in ihrer ganzen Vielfalt befriedigt werden. Natürlich ist es mein spezielles Anliegen, dass der Musik und der musikalischen Arbeit der gebührende Stellenwert, der notwendige Raum zugewiesen wird. Es wird Sie nicht wundern, wenn ich für künstlerisch hochwertige Musik eintrete. Ich glaube, es ist kein leeres Gerede, es sind keine Phrasen, wenn ich auf folgendes hinweise: Nach meiner Beobachtung spricht "große Musik" viele Menschen an, ist eine Wohltat für die menschliche Seele. Wer mithilft, solche Musik zu verbreiten, sei es als ausübender Musiker, als Musikpädagoge, als Musikpublizist oder ähnliches, der wird nicht nur sein Publikum, sondern sein dankbares Publikum haben. Die Vielfalt und die innere Spannbreite großer Musik korrespondiert mit der Empfindungswelt der Zuhörer, denn die Komponisten teilen mit ihren Zuhörern die Gemeinsamkeit ähnlich ausgerichteter Empfindungen, die Komponisten allerdings mit der Vorgabe sie drängender Visionen, die sie nach dem Gesetz künstlerischer Sublimierung in Töne zu setzen vermögen.
Wer sich mit Musik befasst, der beschäftigt sich mit dem Menschen, der hinter der Musik steht. Gerade diese Tatsache sollte den Kulturpolitikern immer wieder vor Augen geführt werden. Sie haben die Verantwortung, die Wechselwirkung "Mensch - Musik" in Gang zu setzen und sowohl dem bereits für die Musik gewonnenen wie sich für die Musik interessierenden Publikum die Möglichkeit zu bieten, sich mit der Musik zu befassen und dabei der menschlichen Natur in ihrer Vielfalt zu begegnen.

Üben & Musizieren 2/1994


     
 
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